Als Betreuerin bist du oft die erste Person, die reagiert, wenn deinem Pflegebedürftigen etwas passiert – bis der Rettungsdienst eintrifft, zählt manchmal jede Minute. Du musst keine Rettungssanitäterin sein, aber ein paar grundlegende Erste-Hilfe-Regeln können das Leben eines Seniors retten. Hier sind die wichtigsten Situationen, auf die du vorbereitet sein solltest.
Die Grundregel: prüfen, anrufen, handeln
Halte dich in jeder Notsituation an dieselbe Reihenfolge: Prüfe zuerst, was passiert ist und ob die Umgebung sicher ist, rufe dann die 112 an (funktioniert in ganz Deutschland), und handle erst danach. Gib der Leitstelle die Adresse, was passiert ist, das Alter des Seniors und ob er bei Bewusstsein ist – bleib in der Leitung, bis man dir sagt, dass du auflegen kannst.
Wenn du dir nicht sicher bist, was los ist – ruf trotzdem an. Ein Fehlalarm ist besser als zu spät gerufene Hilfe. Der deutsche Rettungsdienst bestraft niemanden für einen Anruf „zur Sicherheit".
Ohnmacht und Bewusstlosigkeit
Wenn der Senior das Bewusstsein verliert, aber noch atmet, bring ihn in die stabile Seitenlage – auf der Seite, mit leicht überstrecktem Kopf, damit die Atemwege frei bleiben. Kontrolliere die Atmung alle paar Sekunden. Gib einer bewusstlosen Person nichts zu trinken oder zu essen. Wenn die Atmung aussetzt, ruf die 112 und frag nach einer Telefonanleitung zur Wiederbelebung – die Leitstelle führt dich Schritt für Schritt.
Ersticken erkennen und richtig reagieren
Der Senior kann plötzlich nicht mehr sprechen, husten oder atmen und greift sich an den Hals? Das sind klassische Anzeichen für einen Erstickungsanfall. Beuge ihn nach vorne und schlage 5-mal fest mit der flachen Hand zwischen die Schulterblätter. Hilft das nicht und die Person ist bei Bewusstsein, wende den Heimlich-Handgriff an – von hinten umfassen und kräftige, nach oben gerichtete Stöße in den Oberbauch. Verliert der Senior das Bewusstsein, leg ihn auf den Rücken und ruf sofort den Rettungsdienst.
Denk daran, dass die Knochen bei einem Senior mit Osteoporose deutlich brüchiger sind als bei einem jüngeren Erwachsenen – führe die Schläge und Stöße bestimmt, aber ohne übertriebene Kraft aus. Auch wenn der Gegenstand nach dem ersten Schlag herauskommt, beobachte den Senior noch eine Weile weiter – Husten und Heiserkeit können bleiben, und bei anhaltenden Atembeschwerden solltest du trotzdem den Rettungsdienst rufen.
Sturz und Verdacht auf einen Knochenbruch
Stürze gehören zu den häufigsten Notfällen in der Seniorenbetreuung – lies auch unseren Artikel zur Sturzprävention. Wenn sich der Senior nicht bewegen kann, starke Schmerzen in Hüfte, Bein oder Rücken hat oder beim Sturz das Bewusstsein verloren hat – versuche nicht, ihn hochzuheben oder zu bewegen. Eine falsche Bewegung kann den Bruch verschlimmern oder die Wirbelsäule verletzen. Deck ihn mit einer Decke zu, damit er nicht auskühlt, und warte auf den Rettungsdienst.
Warnzeichen eines Schlaganfalls – der FAST-Test
Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute – die ersten Anzeichen bei Sprachveränderungen haben wir bereits beschrieben. Merk dir die Abkürzung FAST: Face – hängender Mundwinkel, Arms – Schwäche in einem Arm, der Senior kann beide Arme nicht gleichzeitig heben, Speech – undeutliche oder unverständliche Sprache, Time – Zeit, die 112 anzurufen. Erkennst du auch nur eines dieser Anzeichen, warte nicht, bis es vorübergeht – ruf sofort an.
Wunden, Schnittverletzungen und Verbrennungen
Bei einer kleinen Schnittwunde die Wunde mit klarem Wasser reinigen, trocknen und mit einem sterilen Verband abdecken. Bei starker Blutung die Wunde mit sauberem Material abdrücken und die Extremität über Herzhöhe halten. Bei Verbrennungen die Stelle mindestens 10 Minuten unter fließendem, lauwarmem (nicht eiskaltem) Wasser kühlen – niemals Butter, Zahnpasta oder Eis verwenden. Große Wunden, tiefe Verbrennungen und Bisswunden erfordern immer einen Arzt.
Beobachte die Wunde nach dem Verbinden auch in den folgenden Tagen – Rötung, Schwellung, Wärme rund um die Wunde oder Eiteraustritt sind Anzeichen einer Infektion, mit der du zum Hausarzt gehen solltest, selbst wenn die Wunde selbst schon gut zu heilen scheint. Bei Senioren mit Diabetes dauert die Wundheilung länger, deshalb ist Aufmerksamkeit hier besonders wichtig.
Unterzuckerung bei Diabetikern
Leidet dein Pflegebedürftiger an Diabetes, können plötzliches Zittern, kalter Schweiß, Verwirrtheit oder Aggressivität auf eine Unterzuckerung hindeuten. Ist der Senior bei Bewusstsein, gib ihm etwas Süßes – Saft, Zucker, Cola (keine Light-Version). Reagiert er nicht oder verliert das Bewusstsein, gib nichts zum Schlucken – ruf sofort den Rettungsdienst.
Warte nach dem Süßen etwa 15 Minuten und prüfe, ob sich der Senior erholt. Bessern sich die Symptome nicht oder verschlimmern sie sich, warte nicht länger – das ist das Zeichen, um Hilfe zu rufen. Hat dir die Familie ein Blutzuckermessgerät gezeigt und dich in der Bedienung eingewiesen, kannst du in der Zwischenzeit den Blutzucker messen, um der Leitstelle oder dem Arzt eine konkrete Information geben zu können.
Erste Hilfe ist keine Improvisation – es sind ein paar einfache Schritte, die rechtzeitig angewendet wirklich Leben retten.
Erste-Hilfe-Kasten und Erste-Hilfe-Kurs
Im Haushalt des Seniors solltest du griffbereit haben: sterile Verbände, Pflaster, elastische Binden, Einmalhandschuhe, ein Fieberthermometer, eine Schere und eine Liste der Dauermedikamente des Seniors – nützlich für die Leitstelle. Viele deutsche Agenturen und Familien schätzen Betreuerinnen, die vor der Abreise einen Erste-Hilfe-Grundkurs absolviert haben – eine Investition, die dir Sicherheit und dem Pflegebedürftigen Schutz gibt. Wie du dich auf die Abreise vorbereitest, haben wir in einem eigenen Ratgeber beschrieben.
Hast du Fragen zur Vorbereitung auf die Abreise bei uns? Kontaktiere uns oder informiere dich, wie der gesamte Vermittlungsprozess abläuft und über aktuelle Stellenangebote. Sieh dir auch an, was Betreuerinnen, die bereits abgereist sind, über uns sagen, sowie Antworten auf häufig gestellte Fragen.