Arztbesuch in Deutschland – Leitfaden für die Seniorenbetreuerin

Die Begleitung zum Arzt gehört zur Arbeit mit einem Senior in Deutschland. So vereinbaren Sie den Termin, das nehmen Sie mit, so schildern Sie Symptome.

Veröffentlicht am 01.09.2026

Die Begleitung der betreuten Person zum Arzt gehört fest zur Arbeit mit einem Senior in Deutschland. Gerade die Betreuerin verbringt die meiste Zeit mit dem Senior und bemerkt deshalb oft als Erste beunruhigende Symptome, vereinbart den Termin und übersetzt das Gespräch in der Praxis. Das deutsche Gesundheitssystem funktioniert jedoch anders als das polnische – ohne vorher vereinbarten Termin und ohne elektronische Versichertenkarte kommt man kaum in die Sprechstunde. Dieser Leitfaden führt Schritt für Schritt durch den gesamten Besuch: vom Anruf in der Praxis über die Vorbereitung des Senioren bis zum Einlösen der Rezepte.

Wie ein Arztbesuch in Deutschland abläuft

Erster Ansprechpartner ist immer der Hausarzt. Er betreut den Senior im Alltag, stellt die Dauermedikamente aus und überweist zum Facharzt. Für die meisten Fachärzte ist eine Überweisung vom Hausarzt nötig – Ausnahmen sind meist Augenarzt, Frauenarzt und Zahnarzt, bei denen man direkt einen Termin vereinbaren kann.

In Deutschland gibt es kein „Anstellen ab dem Morgen". Fast jeder Besuch setzt einen vorher vereinbarten Termin voraus, und in der Praxis braucht man die elektronische Gesundheitskarte (eGK). Ohne sie gilt der Besuch als privat und ist im Voraus zu bezahlen.

Wer den Termin vereinbart und wie man den Senior anmeldet

Formal vereinbart die Familie der betreuten Person den Termin, in der Praxis übernimmt das aber oft die Betreuerin – telefonisch während der Sprechzeiten, über das Online-Portal der Praxis oder eine App wie Doctolib. Dabei helfen Grundformulierungen – wir haben sie im Artikel grundlegende deutsche Redewendungen für Betreuerinnen gesammelt.

Wenn man auf einen Facharzttermin wochenlang warten muss, hilft die Rufnummer 116 117 (Terminservicestelle), die einen früheren Termin sucht. Ist die Sache dringend, sagen Sie am Telefon klar: „Es ist dringend" – viele Praxen halten einige Plätze für akute Fälle am selben Tag frei.

Die Nummer 116 117 ist der ärztliche Bereitschaftsdienst abends und am Wochenende für Fälle, die nicht lebensbedrohlich sind. Verwechseln Sie sie nicht mit der 112 – diese ruft den Rettungsdienst bei Verdacht auf Schlaganfall, Herzinfarkt oder schwere Verletzung.

Was man vorbereitet und mitnimmt

Bevor Sie das Haus verlassen, prüfen Sie, ob Sie Folgendes haben:

  • die elektronische Gesundheitskarte (eGK) des Senioren sowie seinen Personalausweis oder Reisepass,
  • den aktuellen Medikationsplan und die Packungen der eingenommenen Präparate,
  • die letzten Befunde, Krankenhausberichte, den Impfpass und Angaben zu Allergien,
  • eine gemeinsam mit der Familie erstellte Liste der Beschwerden und Fragen an den Arzt,
  • Brille, Hörgerät, Wasser und etwas Kleingeld für eine mögliche Rezeptgebühr,
  • ein geladenes Telefon mit der Nummer der Familie und des Koordinators der Agentur.

Wie man Symptome schildert, wenn der Senior es selbst nicht kann

Bei Demenz oder nach einem Schlaganfall spielt die betreute Person ihre Beschwerden oft herunter oder weiß nicht mehr, seit wann sie bestehen. Dann ist die Betreuerin an der Seite des Senioren die wichtigste Informationsquelle für den Arzt. Notieren Sie laufend in einem Heft: seit wann ein Symptom besteht, wie oft es wiederkehrt, was es verstärkt oder lindert, ob sich Appetit, Schlaf oder Verhalten verändert haben. Solche Beobachtungen sind oft wertvoller als eine einmalige Messung in der Praxis – mehr über aufmerksames Zuhören im Artikel wie man mit einem Senior spricht. Betreffen die Symptome Hautveränderungen nach einem Zeckenstich, sollte man die Symptome der Borreliose bei Senioren kennen.

Sprachbarriere – wie man damit umgeht

Bereiten Sie für den Besuch einige Schlüsselwörter auf Deutsch vor: Namen der Medikamente, Körperteile, Begriffe für Schmerz. Es hilft eine Übersetzungs-App offline und die vorherige Bitte an die Familie, dass jemand während des Besuchs telefonisch erreichbar ist. In größeren Städten trifft man auf Ärzte, die Polnisch oder Russisch sprechen – fragen Sie die Agentur danach bei der Zusammenstellung des Auftrags.

Raten Sie nie bei der Übersetzung von Medikamentendosen – jede Änderung muss der Arzt oder die Familie klar bestätigen.

Nach dem Besuch: Rezepte, Medikamente und Überweisungen

Ein verschreibungspflichtiges Medikament löst man in der Apotheke ein. Bei einem Kassenrezept zahlt der Senior meist einige bis rund zehn Euro dazu (Rezeptgebühr); den Betrag erstattet in der Regel die Familie – klären Sie die Abrechnung im Voraus. Aktualisieren Sie nach dem Besuch den Medikationsplan und tragen Sie neue Dosen ins Heft ein, damit sie bei der nächsten Gabe nicht verwechselt werden. Hat der Arzt eine Überweisung zum Facharzt oder eine Heilmittelverordnung für Physiotherapie ausgestellt, vereinbaren Sie sofort den nächsten Termin – die Wartezeit ist oft lang.

Hausbesuche und Notfälle

Zu einem bettlägerigen Senior kann der Hausarzt zu einem Hausbesuch kommen – man muss nur telefonisch darum bitten und den Zustand der betreuten Person schildern. Abends, nachts und am Wochenende ruft man bei nicht lebensbedrohlichen Anliegen die 116 117 an.

Rufen Sie sofort die 112, wenn der Senior plötzlich nicht sprechen kann, ein Mundwinkel herabhängt, eine Körperseite schwach wird, er starke Brustschmerzen hat oder gestürzt ist und nicht aufstehen kann. Die ersten Minuten beschreiben wir im Artikel Erste Hilfe für Senioren.

Die Rolle der Betreuerin, der Familie und der Agentur

Die Begleitung bei der Behandlung ist ein natürlicher Teil der Arbeit mit einem Senior in Deutschland, hat aber ihre Grenzen. Die Betreuerin unterstützt, begleitet und gibt Beobachtungen weiter – medizinische und finanzielle Entscheidungen liegen bei der Familie der betreuten Person. Eine klare Aufgabenteilung von Beginn des Auftrags an erspart Missverständnisse; wie man sie festlegt, beschreiben wir im Artikel wie man eine gute Beziehung zur Familie aufbaut. Gibt es ein Problem mit der Kommunikation oder der Abrechnung des Besuchs, hilft der Koordinator – deshalb lohnt es sich zu wissen, wie man eine Arbeitsagentur in Deutschland auswählt. Fragen zu einem konkreten Auftrag? Sehen Sie sich die aktuellen Stellenangebote an oder lesen Sie Erfahrungen von Betreuerinnen, die bereits mit unserer Agentur ausgereist sind.

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